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Artikel: Vielleicht ist nicht Deine Belastbarkeit das Problem. Sondern Dein Arbeitsplatz.

Frau mit Notizbuch in einem beruflichen Gespräch
Beruf

Vielleicht ist nicht Deine Belastbarkeit das Problem. Sondern Dein Arbeitsplatz.

Frau Angelika Varga – PureRev Gesundheitsmagazin

Du bereitest Dich noch besser vor. Schreibst jede Kleinigkeit auf. Bleibst länger, damit niemand merkt, wie viel Kraft Dich dieser Tag kostet. Und irgendwann denkst Du: Vielleicht bin ich einfach nicht mehr gut genug.

Bevor Du dieses Urteil unterschreibst, lohnt sich eine andere Frage: Wie gut sind eigentlich die Bedingungen, unter denen Du funktionieren sollst?

Die Wechseljahre treffen viele Frauen mitten in einer anspruchsvollen Lebensphase. Berufliche Verantwortung, Familie, vielleicht pflegebedürftige Eltern – und gleichzeitig ein Körper, dessen Schlaf, Temperaturgefühl oder Konzentration sich verändert. Das kann anstrengend sein. Schlechte Führung und chronische Überlastung werden dadurch allerdings nicht zu Deinem persönlichen Defizit.

Wenn Erfahrung unsichtbare Mehrarbeit bekommt

Du kennst die Abläufe, fängst Fehler auf und weißt, wer dringend erinnert werden muss. Gerade deshalb landet vieles selbstverständlich bei Dir. Diese Erfahrung ist wertvoll. Doch sie kann dazu führen, dass die Organisation auf Deiner zusätzlichen Anstrengung läuft.

Kommt eine schlechte Nacht dazu, wird sichtbar, was vorher durch Deine Reserve verdeckt war: zu wenig Personal, dauernde Unterbrechungen, unrealistische Fristen. Die Arbeit war nicht plötzlich gut organisiert, nur weil Du sie jahrelang irgendwie bewältigt hast.

Was einen schwierigen Arbeitsplatz wirklich schwierig macht

Ein voller Tag ist noch kein toxisches Arbeitsumfeld. Kritisch wird es, wenn Überforderung zum Normalzustand erklärt wird, Grenzen bestraft werden oder abwertende Bemerkungen an die Stelle sachlicher Führung treten. Wenn ständig alles höchste Priorität hat, gibt es in Wahrheit keine Prioritäten.

Schlafmangel oder wechselnde Beschwerden können es zusätzlich erschweren, damit umzugehen. Sie rechtfertigen aber weder Spott noch die Erwartung, dass Du Dich einfach noch besser an dauerhaft schlechte Bedingungen anpasst.

Frau hält ihre Gedanken in einem Notizbuch fest
Foto: Anastasia Shuraeva / Pexels · Symbolbild

Der gefährliche Reflex: noch mehr leisten

Viele leistungsstarke Frauen reagieren auf Schwierigkeiten mit der Strategie, die sie weit gebracht hat: mehr Vorbereitung, mehr Kontrolle, mehr Einsatz. Kurzfristig kann das helfen. Auf Dauer bezahlt dafür häufig der Feierabend.

Du streichst die Mittagspause, beantwortest abends Nachrichten und gehst mit dem Gefühl schlafen, trotzdem nicht genug getan zu haben. Wenn Du in dieser Beschreibung Deinen Alltag erkennst, ist das ein Anlass, die Arbeit selbst zu prüfen – nicht nur Deine Disziplin.

Ein gutes Gespräch braucht konkrete Forderungen

Statt „Alles ist zu viel“ hilft eine nachvollziehbare Beschreibung: „Für diese drei Aufgaben stehen mir diese Woche zwei Arbeitstage zur Verfügung. Welche hat Vorrang, und was verschieben wir?“ Damit wird aus einer persönlichen Überforderung eine Entscheidung über Ressourcen.

Auch Arbeitsbedingungen lassen sich konkret benennen: feste Zeiten für konzentrierte Aufgaben, weniger spontane Unterbrechungen, planbare Pausen, flexible Beginnzeiten nach schwierigen Nächten oder eine angenehmere Raumtemperatur. Welche Anpassung sinnvoll ist, hängt von Tätigkeit und Beschwerden ab.

Du entscheidest, wie viel Persönliches Du offenlegen möchtest. Für die Aussage, dass ein Arbeitsablauf nicht funktioniert, brauchst Du keine vollständige Krankengeschichte auf den Tisch zu legen.

Wechseljahresfreundlich heißt: Führung, die funktioniert

Ein Yogakurs kann angenehm sein. Er ersetzt keine realistische Personalplanung. Sinnvolle Unterstützung bedeutet informierte Führungskräfte, respektvolle Gespräche und Strukturen, die Beschäftigten tatsächlich Handlungsspielraum geben. Auch die britische Personalorganisation CIPD hebt in ihrer Untersuchung flexible Arbeitsgestaltung und eine offene Gesprächskultur hervor.

Es muss nicht sofort die Kündigung sein. Halte wiederkehrende Probleme fest, suche passende Ansprechpersonen und prüfe, ob auf konkrete Anliegen echte Veränderungen folgen. Deine Erfahrung ist ein beruflicher Wert – kein unbegrenztes Reparaturbudget für ein schlecht geführtes System.

Du darfst Unterstützung brauchen und trotzdem sehr gut in Deinem Beruf sein. Diese beiden Dinge passen ausgezeichnet zusammen.

Neue, starke oder anhaltende Beschwerden gehören ärztlich abgeklärt. Dieser Artikel bietet Orientierung und ersetzt keine individuelle Diagnose.

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